Ein großes Stück Menschlichkeit erfahren

Sarah Hallekamp macht Berufspraktikum bei Haus Hall

Streiflichter vom 15. November 2017

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Es sind die kleinen Gesten, die zählen: Friedhelm Treptow ist einer von zehn Bewohner der Wohngruppe Anna Katharina, in der Sarah Hallekamp arbeitet.

Coesfeld. Welcher Beruf passt zu mir? Eine Frage, die für so manchen jungen Menschen nicht einfach ist. Die Antwort war für Sarah Hallekamp aus Osterwick nahezu klar: Sie wollte in einen sozialen Beruf gehen und liebäugelte schon damals mit einer Ausbildung als Heilerziehungspflegerin.

Mit 15 Jahren machte die heute 22-Jährige ihr dreiwöchiges Schulpraktikum im Freizeitbereich in der Bischöflichen Stiftung Haus Hall. „Es hat mir gut gefallen“, erinnert sich Sarah Hallekamp mit leuchtenden Augen. Der Umgang mit Menschen mit Behinderungen war ihr nicht ganz unbekannt. Nach dem Realschulabschluss mit Qualifikation strebte sie einen Fachhochschulabschluss an. Doch dieser Weg war nichts für sie, so Sarah Hallekamp. Kurzerhand bewarb sie sich für einen Bundesfreiwilligendienst bei der Bischöflichen Stiftung Haus Hall. Dort arbeitete sie für ein Jahr in einer Wohngruppe in Gescher. „Hier habe ich mich geschätzt gefühlt“, so die fröhlich wirkende junge Frau. Und insbesondere die Herzlichkeit der Bewohner hat sie fasziniert. Das war vor drei Jahren.

Seit dem 1. August dieses Jahres absolviert sie nach ihrer zweijährigen schulischen Ausbildung auf der Liebfrauenschule Coesfeld ihr einjähriges Berufspraktikum als Heilerziehungspflegerin bei Haus Hall. Nicht am Standort der Einrichtung in Gescher, sondern in Coesfeld. Dort arbeitet sie in der Wohngruppe Anna-Katharina, in der zehn Menschen mit einer geistigen und einer mehrfachen Behinderung im Alter von 48 bis 65 Jahren leben. „Wir bieten ihnen Orientierung für den Alltag“, betont Sarah Hallekamp. Morgens werden sie geweckt und gepflegt. Letzteres ist nicht einfach. „Ich nehme viel Hilfsmittel wie zum Beispiel die Hubbadewanne in Anspruch. Ich bin ja nicht so groß“, sagt Sarah Hallekamp schmunzelnd. Gemeinsames Tischdecken und Frühstücken gehören zu den täglich wiederkehrenden Ritualen.

Ziel ist es, Fähigkeiten der Bewohner zu bewahren. Und das setzt voraus, die Menschen und ihre Lebensgeschichte zu kennen. Wenn einige der Bewohner zur Werkstatt gehen, kümmert sich Sarah Hallekamp mit den Kollegen um die Rentner. Zu ihrem Aufgabenbereich gehört es auch, die Bewohner zu den Arztterminen zu begleiten und die Dokumentation fortzusetzen. Letztere dient sowohl ihren Kollegen als auch den Angehörigen.

Der dritte Bereich ist die Hauswirtschaft. Ihre Berufswahl möchte Sarah Hallekamp nicht missen. Sie bekomme viel zurück und lerne viel, wie zum Beispiel, geduldiger zu werden. Doch eines beeindruckt sie am meisten: „Die Bewohner lassen mich in ihr Zuhause!“

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Glänzende Augen und ein Lachen im Gesicht bekommt Bert
Mullenmeister, wenn er mit Sarah Hallekamp das Buch über
Schlagersängerin Helen Fischer anschaut.

Wer sich mehr über die Ausbildung als Heilerziehungspflegerin informieren möchte, sollte am Stand der Bischöflichen Stifung Haus Hall (Stand 18 und 19) vorbeischauen. Zwei Möglichkeiten gibt es, um eine Ausbildung als Heilerziehungspflegerin zu machen. Denn neben der schulischen Variante, die Sarah Hallekamp gewählt hat, gibt es noch die berufsbegleitende Form.

Diese Ausbildung sieht vor, dass der Auszubildende zwei Tage die Fachschule besucht und ansonsten in der Einrichtung tätig ist. Bei diesem Modell beträgt der monatliche Verdienst circa 1527 Euro brutto. In der Bischöflichen Stifung Haus Hall arbeiten derzeit 19 Berufspraktikanten. Davon sind zwei Männer und 17 Frauen. Von den derzeit 29 Heilerziehungspflegern in der berufsbegleitenden Ausbildung sind sechs Männer und 23 Frauen.